Echoes of 1776-Lesetipps: Die US-amerikanische Demokratie zwischen Vorbild und Herausforderung
250 Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht die Demokratie der Vereinigten Staaten erneut im Zentrum weltweiter Debatten. Welche Wirkung entfalteten die 1776 formulierten Vorstellungen von Freiheit, Volkssouveränität und Bürgerrechten über die Grenzen Nordamerikas hinaus? Wie wurden sie in anderen Weltregionen aufgegriffen, verändert oder zurückgewiesen? Und welche Bedeutung hat die US-amerikanische Demokratie heute noch als Vorbild, Anstoß oder Herausforderung?
Diesen Fragen widmet sich die Stiftungskonferenz der Max Weber Stiftung „Zwischen Vorbild und Herausforderung: Die US-amerikanische Demokratie seit 1776“ am 18. November 2026 im Allianz Forum in Berlin. Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen regionalen und historischen Forschungsfeldern diskutieren die amerikanische Revolution und ihre Wirkungsgeschichte aus atlantischen, südamerikanischen, asiatischen und europäischen Perspektiven. Den Abschluss bildet ein Round Table zur gegenwärtigen Bedeutung der US-amerikanischen Demokratie.
Wer sich rund um die Konferenz und das MWS-Jahresthema „Echoes of 1776. Globale Perspektiven auf 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung“ einlesen möchte, findet in aktuellen Veröffentlichungen der Teilnehmenden sowie in der Ausgabe von ZEIT Geschichte spannende Anregungen.
Heike Paul: The Myths That Made America. An Introduction to American Studies

Welche Geschichten erzählen sich die Vereinigten Staaten über sich selbst? Die Amerikanistin Heike Paul untersucht in The Myths That Made America zentrale Gründungs- und Identitätsmythen der USA und zeigt, wie sie Vorstellungen amerikanischer Identität bis in die Gegenwart prägen. Von Entdeckung und Gründung über den amerikanischen Westen bis zu Individualismus und gesellschaftlichem Aufstieg nimmt sie Narrative in den Blick, die für das amerikanische Selbstverständnis ebenso wirkmächtig wie umkämpft sind. Die 2026 erschienene neue Ausgabe bietet damit eine passende Vertiefung zu ihrem Vortrag bei der Stiftungskonferenz: „Glauben die Amerikaner*innen noch an ihre Mythen?“
Stefan Rinke: Von Monroe zu Trump. Eine kurze Geschichte der US-Interventionen in Lateinamerika
Wie prägte der Machtanspruch der Vereinigten Staaten von Amerika die Beziehungen zu ihren südlichen Nachbarn? Der Historiker Stefan Rinke zeichnet die Geschichte des US-amerikanischen Interventionismus in Lateinamerika von der Monroe-Doktrin bis in die Gegenwart nach. Dabei zeigt er, welche Formen politischer, wirtschaftlicher und militärischer Einflussnahme die Beziehungen zwischen Nord- und Südamerika bestimmten – und welche Folgen diese Politik für Lateinamerika, die USA und Europa hatte. Das Buch knüpft damit unmittelbar an das Konferenzpanel „Liberale Versprechen und autoritäre Brüche: Demokratieentwicklung in Südamerika im transatlantischen Kontext“ an.

Eun-Jeung Lee: Das politische System Südkoreas. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Südkoreas Entwicklung von autoritärer Herrschaft zu einer demokratischen Gesellschaft gehört zu den prägenden politischen Transformationen Ostasiens. Die Koreanistin Eun-Jeung Lee bietet in ihrem 2026 erschienenen Buch einen Überblick über Geschichte, politisches System, Wirtschaft und Gesellschaft des Landes. Ein eigener Schwerpunkt liegt auf Südkoreas langem Weg zur Demokratie und den politischen Institutionen der Gegenwart. Damit erweitert der Band die Frage nach den globalen „Echoes of 1776“ um eine ostasiatische Perspektive und ergänzt das Konferenzpanel „Asiatische Demokratien zwischen Anpassung, Eigenlogik und Abgrenzung“.
Paul Nolte und Martina Steber (Hg.): Zerbrechliche Stabilität. Zeithistorische Blicke auf die bundesrepublikanische Demokratie
Wie stabil ist eine Demokratie – und woran zeigt sich ihre Verletzlichkeit? Der von den beiden Historiker*innen Paul Nolte und Martina Steber herausgegebene Band untersucht die Geschichte der bundesrepublikanischen Demokratie jenseits einer einfachen Erfolgsgeschichte. Die Beiträge nehmen die Spannungen zwischen Freiheit und Gleichheit, Sicherheit und Ordnung sowie Inklusion und Exklusion in den Blick und fragen danach, wie Demokratie seit 1949 als Regierungs- und Lebensform praktisch ausgehandelt wurde. Der Band bietet damit weiterführende Perspektiven zum Konferenzpanel „Die Entwicklung der liberalen Demokratie in Deutschland und das Projekt Europa“.

Ulrike von Hirschhausen: Frozen Conflicts. Brennpunkte der Gegenwart zwischen Krieg und Frieden

Was geschieht, wenn Konflikte weder gelöst werden noch in einen offenen Krieg münden? In ihrem im Oktober 2026 erscheinenden Buch untersucht Ulrike von Hirschhausen sogenannte „Frozen Conflicts“ – Konflikträume zwischen Krieg und Frieden, Staatlichkeit und Nicht-Staatlichkeit. An Beispielen aus der Ukraine, dem Kaukasus, Palästina, Kaschmir und Taiwan zeigt sie, wie historische Imperien und äußere Mächte bis heute in territoriale Konflikte hineinwirken. Das Buch eröffnet damit eine globale Perspektive auf Fragen von Staatlichkeit, imperialem Erbe und internationaler Ordnung, die auch für die Diskussion über die gegenwärtige Rolle der Vereinigten Staaten relevant sind.
Ihre Perspektiven wird Ulrike von Hirschhausen auch als Teilnehmerin des Round Table der Stiftungskonferenz zum Thema Die US-amerikanische Demokratie zwischen Vorbild und Herausforderung – wo stehen wir heute? einfließen lassen.
ZEIT Geschichte 3/26: 250 Jahre USA. Die Geburt der Vereinigten Staaten – und der Angriff auf das Erbe der Gründerväter
Die aktuelle Ausgabe von ZEIT Geschichte nimmt das 250-jährige Jubiläum zum Anlass, Entstehung und Gegenwart der amerikanischen Demokratie miteinander zu verbinden. Das Heft fokussiertRevolution, Verfassungsgebung und politischen Konflikten der Gründerzeit, thematisiert aber ebenso die Widersprüche der Freiheitsversprechen von 1776 – darunter Sklaverei und die Begrenzung politischer Teilhabe. Zugleich fragt es danach, wie tragfähig das US-amerikanische politische Experiment heute noch ist und wie stark die Ideen und Mythen der Gründungszeit die USA weiterhin prägen. Zum Heft beigetragen haben auch zwei Wissenschaftler*innen des Deutschen Historischen Instituts Washington. In ihrem Artikel „Völkerfreiheit und imperiale Hybris“ nimmt die Direktorin Ulrike von Hirschhausen den Widerspruch zwischen der antikolonialen Gründung der USA und ihrer von Anfang an imperial geprägten Außenpolitik in den Blick. Axel Jansen fragt in seinem Artikel „Welchen Einfluss hat die Amerikanische auf die Französische Revolution?“.

Literatur
Paul, H. (2026). The Myths That Made America. An Introduction to American Studies. transcript Verlag. Open Access: https://www.transcript-verlag.de/media/pdf/7e/54/e6/oa9783839414859.pdf
Rinke, S. (2026). Von Monroe zu Trump. Eine kurze Geschichte der US-Interventionen in Lateinamerika. Theiss / Verlag Herder.
Lee, E.-J. (2026). Das politische System Südkoreas. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Springer VS.
Nolte, P. & Steber, M. (Hg.) (2026). Zerbrechliche Stabilität. Zeithistorische Blicke auf die bundesrepublikanische Demokratie. Vandenhoeck & Ruprecht.
von Hirschhausen, U. (2026). Frozen Conflicts. Brennpunkte der Gegenwart zwischen Krieg und Frieden. C.H.Beck.
ZEIT Geschichte 3/26 (2026). 250 Jahre USA. Die Geburt der Vereinigten Staaten – und der Angriff auf das Erbe der Gründerväter.
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Max Weber Stiftung (13. August 2026). Echoes of 1776-Lesetipps: Die US-amerikanische Demokratie zwischen Vorbild und Herausforderung. Echoes of 1776. Abgerufen am 11. September 2026 von https://echoesof1776.hypotheses.org/679

